Geordnetes Chaos
Bedeutung und Interpretation von Kompositastrukturen
Dissertationsprojekt (Abstract)
Das Deutsche zeichnet sich hinsichtlich der Wortbildungsmöglichkeiten vor allem durch eine hohe Kompositionsfreudigkeit aus: Um zu benennen, zu präzisieren, zusammenzufassen und hinzuweisen, werden Komposita wie Apfelgehör, Katzennanny und Körperliteratur [1] gebildet. Dennoch ist der Wortbildungstyp der Komposition – und darunter vor allem der Typ der ‚Determinativkomposition‘ – derjenige, der am meisten Fragen aufwirft, da er scheinbar ohne fixes Regelwerk Relationen zwischen den Konstituenten herstellen kann.
In der Arbeit wird die Bedeutungskonstituierung nominaler Komposita experimentell untersucht und ausgehend vom theoretischen Rahmen der Framesemantik diskutiert. Grundlegend ist hierfür die Annahme, dass Wissen, das beim Sprachverstehen eine Rolle spielt, strukturiert ist und in verschiedenen Graden der Abstraktion vorliegt. Mit einem breiten Methodenspektrum soll überprüft werden, ob alle Typen der Konstituentenzusammensetzungen dieselben Wege der Bedeutungskonstitution präferieren und auf bestimmte basale Muster zurückzuführen sind. Die Ergebnisse sollen Rückschlüsse liefern, wie Wissensstrukturen angelegt sind, in welcher Weise auf sie zurückgegriffen wird und wie sie in der Erschließung der Bedeutung nicht-usualisierter Komposita einwirken.
Die Arbeit soll aufzeigen, dass verschiedene Strategien der Bedeutungskonstituierung möglich sind – die vor allem durch die verschiedenen Abstraktionsgrade schematisierter Wissensstrukturen, die währenddessen ineinandergreifen – zwar komplex wirken, aber keinesfalls chaotisch ablaufen. Diese Strategien sind abhängig von der kognitiven Verortung der Bestandteile sowie der Funktion der Gesamtkonstruktion.
[1] Beispiele stammen aus dem Archiv der Wortwarte vom 02.10.2008 .
