Die Erste Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (man beachte die Bindestriche) wurde am 13. März 1829 in Wien gegründet. Von da an
dampfte der Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän mit seiner Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänsmütze die Donau entlang.
Er tuckerte von Wien nach Budapest auf einem schicken Dampfer, der auf „Franz I“ hörte. Auf und ab und ab und auf.
Dampfer ist im Übrigen ein Dampfschiff. Weiß man. Kann man da von Ökonomie sprechen? Durchaus. Interessanter
ist wohl – aus onomasiologischer Sicht –, dass der mehr oder weniger selbe Inhalt einmal durch ein schlichtes Suffix –er ausgedrückt werden kann
oder eben mit dem weniger schlichten Schiff als feiner Kopf eines feinen Kompositums. Die Information bleibt erst mal
die Gleiche. Zumindest Dank Lexikalisierung. Dieses kleine Suffix -er kann fatalerweise ja nicht nur eine Instrumentlesart
an den Tag legen, sondern auch noch ein Agens betiteln (zu unterscheiden in den Merkmalen [- belebt] vs. [+ belebt]). Jemand der
die Treppe hochdampft könnte also genauso gut ein Dampfer sein. Ganz genau! Und da haben wir auch schon den Salat:
Ökonomie ist ja nicht nur schick kurz, sondern eben auch unschick unspezifisch.
Ist das immer so? Diese wunderbare Donaudampfschifffahrtsgesellschaft von der eingangs die Rede war, wurde da
flugs in DDGS verkürzt und heißt seit der Privatisierung 1991 übrigens noch einen Hauch exklusiver: DDGS Blue Danube
(allerdings nur die eine Hälfte, der verkaufte Frachtschiffartsteil nennt sich DDGS Cargo). Das ist doch nett, was man
im Deutschen so alles anstellen kann. Und zeigt auch gleich, dass Pendel für gewöhnlich wieder auf die andere Seite ausschlagen,
wenn's zuviel, pardon: zu lang wird. Da hat sich seit dem Althochdeutschen mühsam das Kompositum hochgearbeitet, damit es Dank
syntaktischem Wandel im Frühneuhochdeutschen hochproduktiv wird, endlos (zumindest theoretisch – man möchte ja kommunikativ bleiben)
viele Bestandteile aneinanderreihen kann. Und wozu? Ja genau, damit wir uns den Spaß erlauben und das Ganze wieder abkürzen.
(Was die Wortbildungsforschung immerhin mal vor der Privatisierung der DDGS erkannt hat: Seit den 1980er Jahren wird fleißig
nicht nur die Komposition, Derivation und Konversion aufgezählt, sondern auch die verschiedenen Kurzwortbildungen).
Die Kurzwortbildung ist jedenfalls relativ eindeutig, wenn auch etwas verschleiernd. Trotzdem hübsch, diese Sprachökonomie. So kurz.
Und so praktisch. So wunderbar handlich.